Bewertung der Kennzahlen

Die Bewertung der Kennzahlen, d.h. die Zuordnung einer Qualitätsbewertung zu einer Kennzahl erfolgt mit Hilfe von Referenzwerten (s. Kapitel 3.2) und einer fünfstufigen Systematik. Diese Systematik formuliert eine Qualitätsbeurteilung unter Bezugnahme auf den Durchschnitt der Versorgung und anhand eines Punktesystems:

QI_Berwertung

Bei Indikatoren, bei denen lediglich bei einem einzelnen Bewohner ein negatives Ergebnis aufgetreten ist, erfolgt nur dann eine Bewertung, wenn das Ergebnis dennoch positiv ausfällt. Anderenfalls findet sich der Hinweis „Einzelfall“. Es gilt der Grundsatz, dass eine Einrichtung aufgrund eines Einzelfalls weder negativ noch als „durchschnittlich“ bewertet werden darf.

Eine grundlegende Veränderung betrifft die Indikatoren im Qualitätsbereich 1. Im ursprünglichen Indikatorenkonzept wurden der Erhalt oder eine Veränderung der Selbständigkeit auf der Ebene der Modulwertungen definiert. Die Modulwertungen umfassen jedoch zum Teil einen recht breiten Punktebereich. Innerhalb dieses Punktebereichs konnte es zu Veränderungen kommen, ohne dass sich dies als Veränderung der Modulwertung bemerkbar machte. Dadurch entstehen gewisse Ungenauigkeiten, weniger im Falle der NBA‐Module 1 und 6, spürbar allerdings im Modul 4. Die Modulwertung „schwere Beeinträchtigung“ wird in diesem Fall zugeordnet, wenn das Einschätzungsergebnis im Bereich von 19 bis 36 Punkten liegt. Die Selbständigkeit kann sich also deutlich verschlechtern (z. B. von ursprünglich 20 Punkten auf 33 Punkte), ohne dass es zu einer anderen Modulwertung kommt. Im ursprünglichen Indikatorenansatz würde dies auf die Wertung „erhaltene Selbständigkeit“ hinauslaufen. Im neuen Ansatz wurde die Verknüpfung mit den Modulwertungen aufgelöst und
unabhängig davon ein (engerer) Punktekorridor definiert.

Damit zusammen hängt auch die Einbeziehung eines Teils der sehr schwer beeinträchtigten Personen. Im „alten“ Ansatz galt die Regel, dass die schwerst beeinträchtigten Bewohner bei unverändertem Status nicht mit einem positiven Ergebnis in die Berechnungen eingingen, da sie sich ja nicht verschlechtern konnten. Durch die oben angesprochene Loslösung von den Modulwertungen und eine neue Definition von Punktekorridoren ist es nun möglich, einen Teil dieser Personen in die Berechnungen einzubeziehen. Im Vergleich zur alten Berechnungsweise ergibt sich damit ein insgesamt etwas höheres Niveau der Anteilswerte, die in Form der Kennzahlen ermittelt werden.

Um Abweichungen aufgrund unterschiedlicher zeitlicher Abstände zwischen den Ergebniserfassungen zu neutralisieren, werden die Kennzahlen zum Teil standardisiert, also so angepasst, dass der für 6 Monate erwartbare Anteilswert ausgewiesen wird, auch wenn der Abstand im Einzelfall lediglich bei 5,5 Monaten lag. Die Standardisierung erfolgt je nach Bereich nach einer eigenen Formel:

Qualitätsbereich 1: Standardisierte Kennzahl = 100 – (100 – x) * 183 / Zeitabstand
Qualitätsbereich 2: Standardisierte Kennzahl = x * 183 / Zeitabstand

wobei:
X = errechnete Kennzahl
Zeitabstand = Mittlerer Zeitabstand zwischen dem aktuellen und dem vorherigen Erfassungszeitpunkt in Tagen.

Wenn während eines Beobachtungszeitraums von fünf Monaten eine Rate für den Mobilitätserhalt von 50 % ermittelt wurde, so wird angenommen, dass die Rate über einen Zeitraum von sechs Monaten bei 40 % liegt. Denn anhand der vorliegenden Daten lässt sich nachweisen, dass im Durchschnitt pro Monat 10 % der Bewohner signifikant an Mobilität einbüßen.

Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung ist im Text und ggf. auch in tabellarischen Darstellungen von einem sechsmonatigen Abstand die Rede. Gemeint ist aber immer der konkrete Abstand zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten, der leicht variieren kann.

Kennzahlen für eine Einrichtung werden nur dann ausgewiesen, wenn die Bewohnergruppe, auf die sich die Bewertung bezieht, eine bestimmte Größe nicht unterschreitet. Dabei gilt:

Qualitätsbereich 1: Mindestgröße = 10 Personen
Qualitätsbereich 2: Mindestgröße = 5 Personen
Indikator 3.1: Mindestgröße = 4 Personen
Indikatoren 3.2 – 3.4: Mindestgröße = 5 Personen.